Qigong Zentrum für chinesische Medizin Wu Runjin

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Tai Chi


   
Wu Runjin
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Trauer um Wu Runjin

Ein großer Meister ist für immer von uns gegangen.

Meine Begegnung mit Wu Runjin:

Ich habe für das Tai Chi Buch von Wu Runjin bereits meine Begegnung mit ihm zusammengefasst und will dies hier als Erinnerung an ihn veröffentlichen:

 

 

1989 trainierte ich Tai Chi und Kung Fu bei Wu Mei-Ling in der Deutsch Chinesischen Wu-Shu-Akademie in Konstanz. Die Schule wuchs, die Gruppen wurden größer und zahlreicher - und eines Abends wurde angekündigt, dass Wu Runjin, der Bruder von Wu Mei-Ling, nun auch in Deutschland sei und ab sofort auch Kung Fu unterrichten würde. Wir waren von Wu Mei-Ling ein anspruchsvolles Training gewöhnt, doch wie ein Lauffeuer verbreite sich nun unter den Schülern das Gerücht, jetzt gäbe es beinhartes Training - wobei meist in der Schwebe blieb, ob man sich davor fürchtete, oder darauf freute. Mit dieser Erwartung traf ich Wu Runjin das erste Mal als Kung Fu Lehrer und wurde überrascht: da war gar kein Hauptfeldwebel gekommen. Klar, das Training war anspruchsvoll - aber so wie wir es gewohnt waren. Seine Leidenschaft für gutes Kung Fu war immer spürbar, aber da war kein bissig aggressiver Leuteschinder gekommen, sondern ein äußerst humorvoller Mensch, der seine mangelnden Deutschkenntnisse mit seinen pantomimischen Fähigkeiten ausglich und oft dafür sorgte, dass wir lachen konnten - und der begeistert mitlachte.


 

Kurz später fragte Martin Rüttenauer am Ende des Trainings, ob jemand für Wu Runjin ein freies Zimmer oder eine freie Wohnung wüsste. Ich lebte damals allein mit meiner 14-jährigen Tochter, denn der Mitbewohner in unserer WG war gerade ausgezogen. Also bot ich Wu Runjin an, bei uns einzuziehen. Er erwies sich als angenehmer Mitbewohner, lernte von uns etwas Deutsch und wir von ihm das Reden mit Händen und Füßen. An seinem Essen wurde deutlich, dass er ein sehr traditioneller Mensch ist. Obwohl seine Kochkünste eher bescheiden sind, versuchte er sich traditionell chinesisch zu ernähren: es gab morgens, mittags und abends Reis und den Kopfsalat aß er nur gedünstet. Er konnte sich begeistern, wie günstig hierzulande Entenflügelspitzen sind, aber es dauerte lange, bis er sich daran gewöhnte, "kalten" Salat zu essen, den er später allerdings schätzen lernte. Und mit so manchen europäischen Speisen, wie z.B. mit Käse, kann er sich bis heute nicht anfreunden.

Seine lebenspraktischen Fähigkeiten hielten sich in engen Grenzen. Ich dachte z.B. "alle Chinesen fahren Fahrrad und können selbst die ältesten Räder fahrtüchtig halten", aber er verstand davon so gut wie nichts. Dies schien ihm jedoch nicht auszumachen, ohne Zögern erklärte er, dass er nur fünf Sachen könne: Kung Fu, Tai Chi, Qigong, chinesische Medizin und Tee trinken. Später habe ich bemerken können, dass diese Aussage insofern stimmte, als er von diesen fünf Dingen extrem viel versteht, sie aber ansonsten ein für ihn typisches Understatement war: er ist auch ein leidenschaftlicher Percussionist, ein Märchen-, Sagen- und Geschichtenerzähler, ein Feng Shui Kenner und nicht zuletzt und immer wieder: bewegungsmäßig ein Multitalent: ein Fußballfan, ein Tischtennis-, Tennis- und Badminton Spieler, selbst im Billard kaum zu schlagen und hier in Deutschland hat er sich zum leidenschaftlichen Tänzer entwickelt, der davon träumen kann, auf Cuba auch noch Salsa zu lernen.

 

 

Als 1990 seine Frau, Zhu Lichan, und sein Sohn, Shang-Feng auch die Ausreiseerlaubnis aus China erhielten, war er erleichtert. Damals erfuhr ich, dass seine Familie unter den Wirren der Kulturrevolution zu leiden hatte. Die alten Bewegungskünste waren verboten, wurden aber heimlich - und mit der Angst vor Entdeckung -, trainiert. Eine gewisse Skepsis gegenüber den Behörden ist ihm geblieben. Er war jedoch nicht nur erleichtert, das die Ausreise klappte, er war auch sehr froh, wieder mit seiner Frau zu leben. Und nicht nur, weil sie vom Kochen viel mehr versteht als er, die beiden sind ein außergewöhnliches Paar: Obwohl sie äußerst eng zusammenarbeiten und auch sonst viel zusammen machen, habe ich in all den Jahren keinen einzigen Streit zwischen den beiden erlebt.

Mit Wu Mei-Ling, Wu Runjin und Zhu Lichan leben und arbeiten in Konstanz nun schon seit vielen Jahren drei in der alten Wu-Shu und Tai-Chi-Tradition ausgebildete Meister. Der jahrelange Unterricht trägt Früchte, die Schüler von Wu Mei-Ling, Wu Runjin und Zhu Lichan verfügen inzwischen über ein breites Repertoire an Kung Fu und Tai-Chi-Formen. Auf den Vorführungen der Wu-Shu-Akademie wurde aber auch immer wieder deutlich, dass das Niveau der Meister auch von fleißigen und talentierten Schülern nicht so schnell erreicht werden kann. Ich hatte auch die Gelegenheit, zu beobachten, wie Wu Runjin seinen Sohn Shang-Feng, seinen Neffen Pascal Rüttenauer und seine Nichte Jiamin trainiert hat, und bekam dabei eine Ahnung, wie der Unterschied entsteht. Im Frühlingsseminar 1995 lernte ich von Zhu Lichan, mit ihrer "Spezialität" dem Sun-Tai-Chi, das erste Mal einen anderen Tai-Chi-Stil kennen, ein Tai Chi, das geradezu flink genannt werden kann. Bis dahin hatte ich den Yang-Stil trainiert. Wu Mei-Ling hatte zwar auch damals schon neben dem Yang-Stil das Chen-Tai-Chi unterrichtet, aber ich habe meine Anlaufzeit gebraucht, bevor ich mich der Vielfalt des Tai Chi zuzuwenden traute.

 

 

In den vielen Jahren, in denen ich Wu Runjin im Unterricht begleitete, konnte ich nicht nur immer wieder staunend feststellen, dass er sein nahezu unerschöpfliches Repertoire an Tai Chi, Qigong und Kung-Fu-Formen nicht nur perfekt beherrscht, sondern auch in der Lage ist, es äußerst geschickt zu vermitteln. Er versteht es, sehr komplexe Bewegungen in lehr- und lernbare Abschnitte aufzuteilen, den Sinn einer Bewegung für den Kampf und die gesundheitliche Bedeutung bzw. den Zusammenhang des jeweiligen Bewegungsaspekts mit dem Modell der TCM darzustellen. Er nützt seine Fähigkeit, die Bewegungen in einer ganzen Gruppe schnell und präzise zu erfassen nicht nur zur Korrektur, sondern in einem ressourcenorientierten Konzept positioniert er diejenigen, die die Bewegung schneller lernen immer wieder so, das jene, die langsamer sind, optimale Beobachtungsmöglichkeiten haben. Er stellt sich in seinen Gruppen sehr präzise auf das Lerntempo der jeweiligen Gruppe ein - und auch die Rückmeldung für jeden Einzelnen korreliert mit dessen Fähigkeiten: zu Beginn gibt es viel Unterstützung und mit zunehmenden Fähigkeiten erhält man differenziertere Kritik. Wu Runjin erklärt nicht nur, dass Tai Chi und Qigong den freien Fluss der Lebensenergie anregen, dass sich unser Herz öffnet und wir fröhlich und freundlich werden - sein Unterricht ist auch so: ihm gelingt die Verbindung von tiefer Ernsthaftigkeit, hohem Anspruch und humorvollem Lernen, er lacht selbst viel und regt zum Lachen an.

 

 

Selbst seinen Unterricht in Traditioneller Chinesischer Medizin spickt er mit Geschichten und Beispielen, die sowohl zum Nachdenken als auch zum Lachen anregen. Als er z.B. erklärte, das Schluckauf sowohl auf einem Qi-Mangel als auch auf einem Qi-Stau beruhen kann und jener, der auf einem Stau beruht, meist lauter ist, führte er folgendes Beispiel an: während seiner Tätigkeit als leitender Arzt im Sportmedizinischen Zentrum Guangzhous habe eine Krankenschwester einen sehr lauten Schluckauf gehabt. Sie sei eine wirklich gute Krankenschwester gewesen, die sich immer sehr bemüht habe, alles richtig zu machen. Er habe sie völlig ungerechtfertigt kritisiert und kritisiert und kritisiert, bis sie wütend platzte. Der Schluckauf sei dann weg gewesen, denn bei Wut steigt das Qi nach oben und ein Qi-Stau, und ein dadurch bedingter Schluckauf, kann so beseitigt werden. Er habe sich danach bei ihr natürlich entschuldigt und ihre Arbeit gewürdigt. Bei solchen Interventionen fühle ich mich an die provokative Therapie von Frank Farrally oder an die kreativen Techniken von Milton Erickson erinnert - und habe gleichzeitig das Prinzip der kreisläufigen Zusammenhänge im Denken der chinesischen Medizin verstanden: Es ist eben nicht nur so, dass zurückgehaltener Ärger einen Qi-Stau verursachen kann, - man kann einen Qi-Stau auch auflösen, indem man seinem Ärger Luft macht. Er erzählte diese Geschichte natürlich nicht so trocken, wie ich es hier schreibe, sondern ließ es sich nicht entgehen, dies quasi nachzuspielen.

 

 

Bei seinen Einführungskursen in Teekunde lernte ich nicht nur die 14 Kriterien einer guten Keramikteekanne kennen, mir wird auch deutlich, dass Runjin nicht nur unzählige Heilpflanzen kennt, sondern auch die spezifische Funktion und die korrekte Zubereitung einer Vielzahl von "grünen, gelben, weißen, roten und schwarzen Alltagstees" beherrscht . Besonders vergnüglich fand ich die Einführungskurse in chinesische Heildiät, in chinesisches Kochen auf der Basis des Wissens der TCM. Runjin liefert auch hier umfassendes Wissen - aber in der Praxis wurde hier die Überlegenheit seiner Frau deutlich, deren Kochkünste ich bei verschiedenen Einladungen im Hause Wu, auch im Zusammenhang mit sehr ausgefallener Spezialitäten, wie z.B. eingelegten Hühnerfüßen, nach anfänglicher Skepsis, sehr zu schätzen lernte. Während meines Besuchs in China lernte ich nicht nur weitere Beispiele von sehr ausgefallenem Essen, sondern auch sehr ausgefallenes Qigong kennen - und wurde dankbar, Runjin als Lehrer kennengelernt zu haben:

Für meinen Geschmack war mir so manches Qigong zu esoterisch, gar manche Heilsversprechung zu idealisierend, da tat mir seine ganz spezielle Mischung von Pragmatismus und Bodenständigkeit gut, auch wenn er sie mit mystischen, sagen- und märchenhaften Geschichten verband, so blieb doch spürbar, dass er diese symbolisch verstand. Er würde andere allerdings nie so kritisch, z.B. als zu esoterisch, bewerten, er bleibt in der Bewertung von anderen fast immer zurückhaltend, lässt andere Ansichten stehen und begnügte sich damit, seine daneben zu stellen - und vertraut darauf, dass diese für sich sprechen. Nur wenn jemand die Tradition der chinesischen Bewegungskünste verunglimpfte, konnte er heftig werden - hier wurde auch sein Respekt vor seinen Eltern und seinen Vorfahren deutlich.

 

 

Wu Runjin wurde am 15. Februar 1953 in Guangzhou, in China, als Sohn des Arztes Wu Shaoquan und seiner Ehefrau, der Ärztin Xiao Yanzhen geboren. Er lebt heute mit seiner Frau Zhu Lichan und seinem Sohn Wu Shang-Feng in Konstanz. Er begann seine Wu-Shu-Qigongausbildung als vierjähriger zunächst im Familienkreis und setzte sie später im Wu-Shu-Zentrum Guangzhou fort. Mit 11 begann er seine Tai Chi und Qigong-Qigongausbildung im Familienkreis. Bereits als Kind und Jugendlicher nahm er an zahllosen Wettbewerben und Vorführungen teil, und hat zwischen 1960 und 1966 (dem Beginn der Kulturrevolution) in allen Wu-Shu-Disziplinen ausschließlich erste Plätze belegt. Nach 1966 unterrichtete er unter anderem am Wu-Shu-Zentrum Guangzhou und wurde 1972, als 19-jähriger, staatlich geprüfter Wu-Shu-Lehrer. Mit 20 erhielt er die Lizenz als Kampfrichter. Zwischen 1972 und 1976 studierte er am Institut für Chinesische Medizin Guangzhou. Die Qigongausbildung erfolgte nach dem traditionellen chinesischen System der Integration der praktischen Tätigkeit in den theoretischen Unterricht. Von 1979 bis 1989 war er leitender Arzt am "Guangzhou Qigong Dui" (Sportzentrum der Stadt Guangzhou) für allgemeine Medizin und Sportmedizin. Seit 1983 unterrichtete er Qigong, Grundlagen der chinesischen Medizin, Kräuterheilkunde und Akupunktur an Krankenhäusern und Vorsorgeeinrichtungen Guangzhous.

1989 kam er auf Einladung der, von seiner Schwester Wu Mei-Ling und seinem Schwager Dr. Martin Rüttenauer geleiteten, Deutsch-Chinesischen Wu-Shu-Akademie nach Konstanz. Dort unterrichtete er zunächst Kung Fu und Tai Chi Chuan. Von 1990 bis heute leitet er im Auftrag der Stadt Konstanz Qigong-Übungsgruppen im Seniorenzentrum der Stadt Konstanz. Seit 1992 vermittelt er in Qigongausbildungsgruppen "Qigong und Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin" für Heilberufler und interessierte Laien und gründete 1995 sein Qigong-Zentrum für Chinesische Medizin. Wu Runjin hat zusammen mit seiner Frau Zhu Lichan, und in den letzten Jahren zunehmend mehr unterstützt von seinem Sohn Wu Shang-Feng, viele hundert Schülerinnen und Schüler in Übungs- und Qigongausbildungsgruppen in Tai Chi Chuan, Kung Fu, Qigong und chinesischer Medizin unterrichtet und ausgebildet. Mit dem Qigong-Zentrum von Wu Runjin und der Wu-Shu-Akademie seiner Schwester Wu Mei-Ling wurde Konstanz zu einem für europäische Verhältnisse wahrscheinlich einmaligem Zentrum chinesischer Bewegungskunst. Die Qualität und Vielfalt der hier gelehrten Tai-Chi-Stile, Kung-Fu-Formen und Qigong- Familien ist inzwischen so groß, das selbst sehr fleißige und talentierte Schüler in der Regel nur einen Teil davon lernen.

 

Thomas Jonasson im Januar 2007

 


 

Andere zu kennen bedeutet Weisheit,

Sich selbst zu kennen bedeutet Einsicht.

Andere zu bezwingen erfordert Kraft;

Sich selbst zu bezwingen erfordert Stärke.

Zufrieden sein heißt reich sein.

Mit Nachdruck etwas durchführen bedeutet Wille.

Seinen Platz nicht verlieren heißt Bestand haben.

Sterben und doch Weiterleben bedeutet Unsterblichkeit.

 

Laozi, Daodejing

 


1 Wu Runjin, Haase, Dr. Erika Alice; Die Heilkraft chinesischer Tees; Windpferd Verlag; Aitrang,1999



Wu Runjin, unser Sibak hat uns einen letzten Brief hinterlassen. Ich habe diesen mit Sifu Meilings und Martins Hilfe übersetzt und möchte Euch den jetzt vorlesen. Zum leichteren Verständnis möchte ich vorausschicken, dass Runjin in diesem Brief manchmal von sich als Sibak in der dritten Person spricht.

Brief von Sibak,

1. Ich danke allen meinen Schülern, die viele Jahre das Qigong-Zentrum unterstützt haben. Obwohl wir nicht in Europa geboren sind, haben wir hier unser Zuhause gefunden, weil es so viele Schüler gab, die uns wie eine Familie waren, die uns Glück und Fröhlichkeit gaben und uns gemeinsames Lachen schenkten. Sibak wollte Euch noch nicht verlassen, denn ich habe noch viel Wissen und Erfahrungen in Kung Fu, Tai Chi, Qigong und Medizin, dass ich Euch noch nicht vermitteln konnte. Es ist Schade, dass mir dies in meinem Leben nicht möglich war. Aber Sibak wird auch im Himmel an Euch denken. Vielen Dank an Euch, ich hoffe, dass Ihr Euch an Sibak erinnern werdet.

2. Danke an Thomas und Elvira, die sich aus ganzem Herzen uneigennützig um das Qigong-Zentrum gekümmert haben und sehr viele gute Vorschläge eingebracht haben. Sibak hat immer gesagt, im ganzen Leben findet man sehr schwer solche Partner. Vielen Dank. Ich hoffe, dass sie das Qigong-Zentrum auch weiterhin unterstützen, dass sie damit fortfahren, dem Qigong-Zentrum zu helfen.

3. Vielen Dank an die Familie von Martin. Wenn ich sie nicht gehabt hätte, hätten wir Europa gar nicht kennen gelernt. Über mehr als zehn Jahre haben sie uns in allen Bereichen des Lebens, des Berufs und aller Arbeit große Unterstützung und Hilfe gegeben. Das kann man im ganzen Leben nicht vergessen. Sibak hat immer gesagt, dass seine Schwester Meiling mit ihm die engste Beziehung unter seinen Geschwistern hatte. Das Feng Shui sagt, das Schlange und Hahn gute Freunde sind. Von klein auf haben wir unsere Erfahrungen immer ausgetauscht: im Leben, im Arbeiten, im Training, in Partnerformen und im Unterrichten. Wir haben immer wieder gemeinsame Fortschritte gemacht, um die chinesische Kultur zu verbreiten, um die Arbeit unserer Eltern fortzuführen. Es ist sehr viel Schweiß geflossen, um den heutigen Erfolg zu erreichen. Dass es das Qigong-Zentrum heute so gibt, ist untrennbar mit Meiling und Martin verbunden.

4. Zuletzt möchte ich meinen Familienangehörigen danken. Meine Eltern haben uns sehr viel von ihrer Kunst, Erfahrung und Menschenkenntnis mitgegeben. Ich glaube, dass dieser Hintergrund für uns ein großes Glück war. Außerdem gibt es meine Frau Lichan und meinen Sohn Shangfeng. Während mehr als 22 Jahren haben wir drei Menschen gelacht, haben uns auseinandergesetzt, haben uns gesorgt und zusammen nachgedacht und waren dabei eine Einheit. Was ich auch immer getan habe, sie waren an meiner linken und an meiner rechten Seite, haben mir Ideen gegeben und Vertrauen geschenkt. Wir sind zusammen einen Weg gegangen. Dieses Gefühl kann man mit Worten gar nicht ausdrücken. Ich hoffe, dass wir im nächsten Leben wieder ein Paar sein werden und dass Shangfeng wieder unser Sohn sein wird - und dass wir zusammen hundert Jahre alt werden, weil dieses Leben zu kurz ist, und für all meine Liebe nicht genügend Zeit war. Von tiefem Herzen danke ich Ihnen und wünsche Ihnen ein glückliches Leben. Zuletzt denke ich an alle guten Freunde. Ich hoffe, dass jeder sein Leben genießt und seine Zeit sinnvoll nutzt und gesund bleibt. Wenn ich im Himmel Urlaub kriege, komme ich zurück und trainiere mit Euch. Bitte vergesst mich nicht.

 



Dies war sein letzter Brief. Ja so habe ich Dich gekannt, Sibak. Du hat es immer wieder hingekriegt, tiefste Ernsthaftigkeit mit einem Spaß, mit einem Scherz zu verbinden. Wie oft hast Du uns am Ende eines Trainings oder am Ende eines Wochenendes liebevoll gedroht, uns die Ohren lang zu ziehen oder gar schlimmeres, wenn wir bis zum nächsten mal nicht üben, wenn wir nicht gut trainieren - und wir wussten dabei, dass es Dir einerseits sehr ernst war, dass es Dir ein Herzensanliegen war, dass wir gut trainieren - egal ob Kung Fu, Qigong oder Tai Chi. Und es war klarerweise ein Scherz und wir konnten sicher sein, dass Du beim nächsten Mal alle Bewegungen mit viel Geduld wiederholen würdest. Ich will mich bei Dir zunächst bedanken, für die vielen Übungen, für Dein Qigong, Dein Tai Chi und Dein Kung Fu. Ich war fasziniert von Deiner Perfektion. Und nicht zuletzt beim Schreiben Deines Tai Chi Buchs hast Du mir immer wieder deutlich gemacht, dass alle Perfektion nichts nützt, wenn die Freude, der Spaß, das Lachen dabei auf der Strecke bleibt. - Du hast das Qigong Zentrum aufgebaut. Und die Bedeutung der zweiten Silbe von Qigong, das "Gong", das fleißige Trainieren, das gute Arbeiten war für Dich Programm. Deine Leidenschaft für gute Bewegung war ansteckend. Sie war so ansteckend, weil Deine eigene Freude und Begeisterung immer spürbar blieb. Du hast Dein Credo, gelebt: wenn man sich verspannt und verkrampft dann fließt das Qi nicht, oder anders herum: offen sein, gerade heraus sein, sich freuen und lachen ist das gleiche wie freier Fluss der Energie. Mir wird Deine laute Stimme fehlen. Ich bin begeistert von Deiner Fähigkeit, komplexe Bewegungen so zu zerlegen, dass es leicht fällt, sie zu lernen, von Deinem Geschick die Möglichkeiten einer Gruppe zu nutzen, dass immer wieder die fortgeschritteneren den andern geholfen haben so dass alle, den größtmöglichen Gewinn daraus ziehen konnten. Du hast Deine Kunst eben nicht nur beherrscht. Du konntest sie auch unglaublich gut vermitteln. Ich habe mich darauf verlassen, später noch so viel Tai Qi und neues Qigong von Dir lernen zu können. Ich werde Dich vermissen. Und ich werde mich beim Üben von all dem was ich von dir gelernt habe an dich erinnern. Es gab auch einen Punkt, wo es dir nicht gelang, locker zu bleiben: Die deutsche Sprache blieb ein Gegner, der Dir immer Stress gemacht hat. Doch trotz dieser Schwierigkeit und obwohl Dir die Vermittlung der Theorie der chinesischen Medizin so ernst war - hast du es auch hier geschafft, uns so oft zum Lachen zu bringen. Ich erinnere mich an Deine Einführung des Ginseng Tees. Du hast nicht einfach darauf hingewiesen dass Rettich die Wirkung des Ginsengs aufhebt. Du hast uns die Geschichte mit diesem schwer reichen Patienten erzählt, der darauf bestand, dass jede Behandlung mit Ginseng kombiniert wurde. Als er an einem heftigen Qistau litt, und Ginseng den eher verstärkt hätte, hast Du ihm Ginseng und Rettich verschrieben - und nebenbei den Tee, den er wirklich brauchte. Und diese Geschichten hast Du nicht einfach erzählt, sondern Dein großes schauspielerisches und pantomimisches Geschick eingesetzt, um sie nachzuspielen. Ich möchte Dir für all das Wissen, das ich von dir lernen durfte - und für den großen Spaß, den wir dabei hatten - von ganzem Herzen danken. Du hattest uns Akupunkturkurse, Kurse in Zungen- und Pulsdiagnostik, Unterricht in Heildiät und noch viele Informationen über Heiltees angekündigt - ich glaube, Du musst im Himmel sehr viel Urlaub beantragen, um all dies einzulösen. Du wirst mir auch an dieser Stelle fehlen. Und ich werde mich - immer wenn ich im Model der chinesischen Medizin denke - an Dich erinnern Wir haben viel und gut zusammen gearbeitet. Und bei allem Spaß, bei aller Freude an der Arbeit, war es uns beiden wichtig, nicht nur beim Arbeiten Spaß zu haben: Du warst ein leidenschaftlicher Spieler. Weißt Du noch, wie wir auf Korfu in der Kneipe mit der ganzen Gruppe gewürfelt haben ? Und es war in der Sunset Bar, als wir mit sehr vielen Billard spielten und Du uns diese chinesische Variante eines Großgruppenbillards gezeigt hast. Seither weis ich, dass man es ein "Hühnchenbein" nennt, wenn man im Billard eine große Chance hat. Wie haben wir über dieses "Hühnchenbein" gelacht. Ich werde nie Billard spielen, ohne an dich zu denken. Du warst neugierig, Du hast vieles ausprobiert. Ich konnte Dich zu vielem verführen, zum Bogenschießen, zum Schnorcheln, zum Seegeln und sogar zu allerlei europäischen Speisen. Nur beim Käse und beim Rotwein bliebst Du konsequent bei Deinem: dies passt nicht zu mir - vom Herz aus. Obwohl du kein Sprachgenie warst, hast Du Dich mit Deiner Frau in aller Herren Länder gewagt. Bei vielen dieser Reisen - ob in Amerika oder Australien hast du ehemalige Schüler oder Freunde getroffen - und das war Dir wichtig: Freunde zu haben und mit ihnen zu sein. Und ich bin froh, Dein Freund zu sein. Wir wollten eigentlich dieses Jahr an Ostern nach Cuba und Salsa tanzen - und vielleicht hätte ich Dich zu einem Zug an einer Havanna verführt - aber ich fürchte, dass Du dort oben so schnell keinen Urlaub kriegst. Ich werde Dich auch auf Cuba vermissen. Du hast mir im Krankenhaus erzählt, dass Du noch so gern mit Deiner Frau eine Schiffsreise in den Norden, an Norwegens Küste entlang gemacht hättest. Ich wünsche Dir, dass du dies in deinem nächsten Leben mit ihr nachholst. Du hast mir sehr viel von der chinesischen Kultur nahe gebracht. Nicht zuletzt Deine große Leidenschaft, das Tee trinken. Wie oft durfte ich mit Dir Deinen geliebten Pulitee, eine Lung Chin oder einen Ti Kuan Yin trinken. Ich danke dir dafür. Als Du mir Mitte Dezember eine ganze Dose von Deinem allerbesten Tee geschenkt hast - und erklärtest, dass Du bisher damit sparsam umgegangen bist, ihn aber jetzt eher großzügig verbrauchen würdest, wusste ich, dass Dein Glaube, dass du Deine Krankheit besiegen könntest gesunken war. Die Gespräche mit dir beim Teetrinken werden mir fehlen - und ich werde mich auch beim Tee trinken sehr oft an dich erinnern. Du warst so bodenständig, so pragmatisch. Das hat es mir so leicht gemacht, Dein Qigong zu lernen. Eine allzu esoterische Variante davon, wäre mir nicht so bekommen. Ich erinnere mich, wie Du in einer Gruppe, bei der Einführung der Lungenatmung erklärt hast, dass die auch für Raucher sehr gut sei. Ein Raunen ging durch die Gruppe und eine Teilnehmerin erklärte etwas empört, dass Qigongleute doch wohl nicht rauchen würden. Und du hast ganz ruhig geantwortet, dass es zwar wohl schon besser sei, nicht zu rauchen, aber dass man, wenn man halt schon raucht, zum Ausgleich viel für die Lunge tun sollte. - Nun Du hattest auch gewusst, dass es in der Gruppe einen Raucher gab - und ihn dadurch ins Boot geholt. Diese indirekte respektvolle Art mit anderen umzugehen, habe ich immer mehr schätzen gelernt Und Du hattest keine Schwierigkeit, diese Bodenständigkeit mit Deinem Steckenpferd, dem Feng Shui zu verbinden. Du hast mit diesen Vorstellungen gelebt. Du warst mit diesen Geschichten verbunden. Im letzten Frühlingsseminar habe ich die Werbetrommel gerührt um jemand zu finden der bereit wäre, mit Dir ein Feng Shui Buch zu machen, um die vielen Geschichten die Du zu all diesen Figuren der chinesischen Mythologie erzählt hast, zu bewahren. Es wäre sehr gut, wenn Du im Himmel jemand fändest, dem Du es diktieren kannst, um es zum Training mitzubringen. Ich will beim Thema Buch bleiben: Als Dein Arzt Dir gesagt hast, dass Du die Dinge die Dir wichtig sind erledigen sollst , hast du sofort bei mir angerufen und mir gesagt. Dass Du Dir wünschst, vor Deinem Tod Dein Tai Chi Buch in den Händen halten zu können. Es tut mir sehr leid, dass ich Dir diesen Wunsch nicht erfüllen konnte. Dafür war Deine Krankheit einfach zu schnell. Aber ich war seither fleißig, Dein Buch ist fertig, wir werden es herausbringen. Es wird ein Teil von Deinem Vermächtnis werden. Es wird eine weitere Möglichkeit sein sich an dich zu erinnern. Über Deine offene Art entschieden für deine Sache zu werben habe ich auch oft gestaunt. So gut wie Du bin ich darin nicht. Du hättest vermutlich an dieser Stelle einfach gesagt: Leute, dieses Buch müsst ihr kaufen, da steht viel von meinem Wissen über die Geschichte des Tai Chis über seine Charakteristikaas und über seine gesundheitliche Bedeutung drin. Du bliebst auch in deinen letzten Wochen sehr klar. Als Deine Schmerzen nach Weihnachten groß waren hast Du mir gesagt, dass Du dir gewünscht hast zu sterben aber das Dir Jesus wohl noch keine Einladung schicken wolle. Du hast mir gesagt dass Du es zwar schade findest, jetzt schon zu sterben, weil du gern noch viel gemacht hättest, dass du es aber auch akzeptieren könntest. Das wichtigste sei Dir jedoch Deine Sorge um Lichan und Shangfeng. Du würdest um deren Stärken wissen, Du würdest an sie glauben und Du seist stolz auf sie aber Sangfeng sei noch jung und Lichan eben auch nicht aus Europa und deshalb hast du mich gebeten, sie bei der Fortführung der Arbeit des Qigong-Zentrums zu unterstützen. Ich habe Dir dies an Deinem Krankenbett versprochen und will es hier wiederholen: Ich werde die Beiden und Dein und ihr Qigong-Zentrum weiterhin unterstützen so gut ich es kann. Sibak, Du warst nicht nur mit mir, Du warst auch mit meiner Familie verbunden. Meinem Sohn wird es in Erinnerung bleiben das Du seinen Arm eingerenkt hast. Meine Tochter ist sicher, dass sie nur dank Deiner chinesischen Kräuterpillen ihren Sohn gesund zur Welt bringen konnte - es gibt so viel wofür wir Dir dankbar sind. Wenn ich mit meiner Frau unterm Sternenhimmel stehe, wird sie, wie schon so oft, fragen, ob ich mich daran erinnere, dass sie vor vielen Jahren versucht hat, Dir beizubringen "Sterne" zu sagen. Du bist jedoch bei "Schaterne" geblieben. Sie wird sagen siehst Du die "Schaterne" und wir werden an Dich denken. Ja es gäbe weis Gott noch so viel zu sagen doch ich komme jetzt zum Ende. Sibak, Du warst mein Meister, mein Lehrer, mein Partner, mein Freund und - als Psychologe darf ich das so sagen - ein idealer Vater. Du hast mir um Weihnachten rum erzählt, dass Du Dich freust, Deinen Vater wieder zu treffen, da Du ihn so lange nicht gesehen hast. Ich freue mich auch darauf Dich wieder zu treffen. Und ich bin sicher, Du verstehst es gut, dass ich mir diesmal wünsche, dass es sehr lange dauert, bis wir uns wieder treffen. Aber bis dahin werde ich mich an Dich erinnern, wirst Du in meiner Erinnerung weiterleben - und da bin ich mir sicher: Du wirst nicht nur in meiner Erinnerung sondern in der Erinnerung von sehr vielen weiterleben.


 
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